50:50 das die Welt in 200 Jahren untergeht: Warum der IPCC abgeschafft gehört

50:50 das die Welt in 200 Jahren untergeht: Warum der IPCC abgeschafft gehört

Expertenurteile finden sich in versch. wissenschaftlichen Disziplinen – insbesondere, wenn Einschätzungen zu Risiken, unter Unsicherheit und/oder anhand limitierter Daten vorgenommen werden müssen.

Die Evidenzpyramide

Da Expertenurteile den identischen Urteilsverzerrungen¹ unterliegen wie Laieneinschätzungen, finden sich Expertenmeinungen auf der untersten Stufe der Evidenzpyramide wieder.

Die subjektive Interpretation von Häufigkeits-/Wahrscheinlichkeitsankern ist auch bei Experten einer hohen intersubjektiven Variabilität unterworfen². Die Verwendung ohne quantitative Fundamentierung führt zu bedeutungslosen, da nicht sinnvoll interpretierbaren, Aussagen.³

Aktuelle Standard im wissenschaftlichen Prozess zur Steigerung der Validität von Experteneinschätzungen besteht im Einsatz rigoroser, standardisierter Verfahren, welche den Entscheidungsprozess formalisieren und objektivieren sollen.⁴

Ergänzend werden Rufe nach einer vertieften Einbindung statistischer Expertise bei der Evidenzbeurteilung durch Contentexperten laut.⁵

In den Berichten des IPCC, insbesondere in den Executive Summaries für politische Entscheidungsträger, wird das themenspezifische Vertrauen der Autoren in einen wissenschaftlichen Sachverhalt anhand einer normativen 5-stufigen Confidence-Skala ausgedrückt.⁶

Im AR4 des IPCC wurden die einzelnen Confidence-Stufen „quantitativ kalibriert“ – die Auswahl der passenden Bewertung sollte also anhand einer probabilistischen Abschätzung (z. B. low confidence = ca. in 2 von 10 Fällen) erfolgen.

Vertrauenwürdigkeit

Mit der Veröffentlichung des AR5 wurde die sogenannte „qualitative Kalibration“ abgeschafft, während die normative Bewertungsterminologie der Confidence Level beibehalten wurde.⁷ Qualitative Kalibration

Die Probleme an diesem Vorgehen sind:

  1. Dem Rezipienten des Berichts wird eine wissenschaftliche Präzision der Befundevidenz vorgegaukelt (medium confidence nach AR4 entspricht aber bspw. lediglich der Wahrscheinlichkeit eines Münzwurfs).

  2. Die Entscheidungsfindung der einzelnen Beurteilung ist weder standardisiert, dokumentiert und im Einzelfall transparent publiziert, sondern erfolgt informell – entgegen den Vorgehensvorschlägen der etablierten Forschung (z. B. Granger Morgan, 2014).

  3. Aus (2) folgt, dass die Confidence-Abschätzung nicht reproduzierbar ist und sich somit einer wissenschaftlichen Überprüfung entzieht.

Der IPCC gibt Einschätzung zu Sicherheit/Vertrauen in die Validität. Diese erfolgt qualitativ & nicht nach dokumentierten Standards. Empirische Metriken zur Übereinstimmung oder Standardverfahren empirischer Wissenschaften, z.B. Meta-Analysen, werden nicht berichtet.

Erschienen unter: https://twitter.com/MLPoffiziell/status/1421080209676177409


Quellen:

¹ u. a. Tversky, A., & Kahneman, D. (1974). Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases. Science, 185 4157, 1124-31.

² ³ Morgan, M.G., Certainty, uncertainty, and climate change. Climatic Change 108, 707 (2011). https://doi.org/10.1007/s10584

⁴ Granger Morgan, M. (2014). Expert elicitation for decision making. Proceedings of the National Academy of Sciences, 111 (20) 7176-7184; DOI: 10.1073/pnas.1319946111

⁵ Naomi C. Brownstein, Thomas A. Louis, Anthony O’Hagan & Jane Pendergast (2019) The Role of Expert Judgment in Statistical Inference and Evidence-Based Decision-Making, The American Statistician, 73:sup1, 56-68, DOI: 10.1080/00031305.2018.1529623

⁶ „Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation – Special Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change“ https://archive.ipcc.ch/pdf/supporting

https://www.ipcc.ch/.../AR5_Uncertainty_Guidance_Note_Annexes.pdf

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